Dienstag, 16. Dezember 2014

Quasi einmal umme Ostsee - Teil 2: Von Vilnius über Riga nach Tallinn

Nach Quasi einmal umme Ostsee - Teil 1: Fähre nach Klaipeda und russische Exklave Kaliningrad folgt nun endlich Teil 2.


Wir hatten also die russische Enklave Kaliningrad verlassen und waren zwar zeitaufwändig, aber ohne Probleme, in die EU zurück gekehrt. Am Abend erreichten wir Vilnius (zu deutsch Wilna), die Hauptstadt Litauens. Es war zwar schon dunkel, aber wir parkten direkt im Zentrum und konnten so trotzdem einige schöne Plätze entdecken - und ganz nebenbei Caches wie Sv.Kazimiero baznycia/Church of St Casimir und Vilnius Town Hall/Vilniaus rotuse suchen, die übrigens sehr kreativ versteckt sind und sich ihre Favoritenpunkte definitiv verdient haben.

Zum Abschluss haben wir dann bei Vilnius Panorama #2 die Aussicht genossen, der nächtliche Blick über Vilnius war wirklich schön! Dieser Cache ist im Moment übrigens mein östlichster gefundener Cache ! Da ich keine Fotos machen konnte, weil ich kein Stativ o.ä. zur Hand hatte, hier ein ähnlich hübsches Foto bei Tag :


Zwar ist Vilnius mit 500.000 Einwohnern keine Metropole, ich bin trotzdem ein wenig wehmütig, dass wir nicht länger bleiben konnten. Denn schon bei unserem kurzen Besuch wurde klar, dass es noch so viel mehr zu sehen gibt! Aber erstmal war Sonntag Abend, wir waren seit knapp eineinhalb Tagen wach und so langsam knickten wir alle ein. Also machten wir uns auf den Weg Richtung Riga und schauten mal, wie weit wir konnten, bis auch der letzte Fahrer ein Veto einlegte. Das passierte irgendwann um 3 Uhr morgens auf der A10 / E67 zwischen Panevėžys und der Grenze zu Lettland. Wir parkten auf einem verlassenen Rastplatz (eigentlich nur eine recht große, asphaltierte Ausbuchtung der Straße) und kuschelten uns in unsere Kissen. Unsanft geweckt wurden wir dann wenige Stunden später, als ein LKW neben uns das Rückwärtsgangpiepen verlauten lies. Wir wurden wach und erkannten, dass auf dem Rastplatz plötzlich mehrere LKW umherrangierten und sich daran störten, dass wir dort parkten. Wo auch immer die zwischen 3 und 6 Uhr morgens herkamen und warum genau sie mitten in der Pampa umherrangierten werden wir wohl nie erfahren. Es lief dann aber alles reibungslos und nach einem weiteren Nickerchen brach für uns der neue Tag an.

Es war inzwischen Montag, 8. September 2014 und wir begaben uns weiter Richtung Norden. Auf dem Weg wurden einige Caches gesucht, bei Sport complex "Musa" legten wir eine Pause ein und gönnten uns in aller Ruhe ein ausgiebiges Frühstück inkl. Morgendusche . Den Cache konnten wir leider nicht finden, aber das machte nichts, der Ausblick auf eine in die Jahre gekommene Brücke und den Fluss entschädigte für den Abstecher allemal.



Über das Programmierer-Mekka "Code" ging es weiter zu einem Zwischendurch-Tradi namens Labyrinth, an dem uns ein Cachewächter auflauerte:



Der qurlige Dackel freute sich sehr über so viel Action und neue Leute, dass er uns gar nicht gehen lassen wollte . Am späten Vormittag erreichten wir Riga, die lettische Hauptstadt, in der knapp 700.000 Menschen leben. Während Vilnius zumindest bei mir den Eindruck machte, dass es viele alte, aber sehr gut erhaltene Gebäude gibt, erschien mir Riga am modernsten von den baltischen Hauptstädten. Den 368,5 Meter hohen Rigaer Fernsehturm sieht man schon aus weiter Ferne und auch andere moderne Bauten ragen in die Höhe.



Trotzdem ist die Altstadt sehr gut erhalten und gepflegt, es erinnerte mich ein bisschen an Lübeck mit den vielen historischen Häusern und Kirchen. Genau wie Lübeck ist auch die Innenstadt Rigas seit 1997 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.


Wir stellten das Auto ab und gönnten uns ein paar Stunden in der Rigaer Altstadt. Die Sonne schien und wir visierten ein paar Caches an. In Riga konnten wir als Container ausschließlich kleine, magnetische Rörchen finden, wie ich sie von Verpackungen von Stiftminen kenne.





Neben dem Rigaer Dom und der Petrikirche ist auch das Freiheitsmonument sehenswert. Es steht für die lettische Souveränität, die drei goldenen Sterne symbolisieren die drei Regionen Lettlands: Kurzeme, Vidzeme und Latgale. Wissenswert ist auch, dass die Statue erhobenen Hauptes nach Westen blickt, während in Ketten gelegte Skulpturen gen Osten blicken.

Zum Abschluss des Rundgangs genossen wir noch einen Kaffee im TeaHouse TB/GC Graveyard und gingen dann über andere Gassen zurück zum Auto. Wie man sieht, war Riga bei Sonnenschein sehr fotogen .





Nachmittags besuchten wir dann noch den Virtual Kurtenhof, eine Zweiter-Weltkrieg-Gedächtnisstätte, an der zu Nazizeiten ein Konzentrationslager stand. Über 100.000 Menschen wurden hier zwischen 1941 und 1944 getötet - heute erinnert ein aufwändiges Monument mit riesigen Skulpturen und einer Bilderausstellung an die grausamen Taten. Auch wenn ich die Machenschaften der Nazis aufs Tiefste verabscheue und mich davon distanziere, wurde mir doch mulmig. So etwas darf nie wieder passieren und wir müssen alles tun, um solche Greultaten zu verhindern!




Nach dem Besuch des Virtuals ging es an der Ostseeküste entlang weiter nach Tallinn. Hier standen dann auch die ersten alten Caches auf dem Plan. Lighthouse stash / Majaka aare wurde am 20. Mai 2001 platziert und lag direkt auf dem Weg. Ich habe zwar keine Ahnung, wo genau der Leuchtturm sein soll, aber den Cache konnten wir inmitten in einem Nadelwäldchen recht schnell finden. Bei Master's stash / Meistri aare hatten wir weniger Erfolg. Nach einer kleinen Offroad-Exkursion mit viel weißem Staub hatten wir immer noch keinen Zugang gefunden, also haben wir abgebrochen, statt uns durchs Farn-Dickicht zu kämpfen . Mehr Zeit wäre an dieser Stelle hilfreich gewesen .


Es ging hochmotiviert weiter zu Varbola, der etwas abenteuerlicher zu erreichen war. Nach einem knappen 4km Umweg erreichten wir die Parkkoordinaten und in der Dämmerung kämpften wir uns dann zum Cache vor. Flo und Christian auf der einen Seite, Raiko und ich auf der anderen. Mitten in der Pampa hatten die beiden den richtigen Weg gewählt und so konnten wir uns alle im Logbuch des am 30. August 2001 veröffentlichten Caches verewigen.



Am Abend erreichten wir dann Tallinn und checkten ins Economy Hotel ** ein - die erste Dusche und das erste Bett seit wir die Fähre in Klaipeda verlassen hatten! Deshalb war uns auch egal, dass die Zimmer rustikal, winzig und nicht ganz in Schuss waren (dafür war das Personal wirklich nett und zuvorkommend!). Tallinn ist die estnische Hauptstadt mit ca. 430.000 Einwohnern. Hauptsache erstmal sauber werden und dann was zu essen suchen! Wir irrten ein wenig planlos durchs nächtliche Tallinn und suchten dabei ein paar Caches, bevor wir im Taco Express landeten. So fand der vierte Tag auf Reisen einen gemütlichen Ausklang, bevor wir tot in unsere rustikalen Betten fielen.

Das war nun der zweite Teil unserer Reise quasi einmal umme Ostsee. Der härteste Teil der Tour lag hinter uns und wir holten uns endlich wieder eine Portion Schlaf außerhalb von Berta II, unserem Multivan . Ich habe viele positive Eindrücke von den baltischen Hauptstädten gewonnen und bin sicher, dass ich sie noch einmal besuchen möchte, um in Ruhe weitere tolle Ecken zu sehen.

Als Orientierung und Übersicht hier noch einmal die Karte von der Ostsee:


Bildquelle: Wikipedia Ostseegliederung

Im nächsten Teil geht es weiter von Helsinki über Turku und die Aland-Inseln nach Stockholm. Doch für heute ist erstmal Schluss - auf dass ich nicht wieder so lange brauche wie von Teil 1 bis Teil 2 .

>> Weiterlesen: Teil 3: Von Helsinki über die Åland Inseln nach Stockholm

Kommentare:

  1. Boah... wie geil.
    Ich möchte auch mal wieder nach Riga. Ist ne schöne Stadt.
    Als ich das letzte Mal da war, habe ich noch nicht gecacht - und hab doch ne Menge gesehen.
    Aber dieser Reisebericht macht Lust auf "nachmachen...".

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    1. Ich kann das Nachahmen nur empfehlen ;-) Aber nehmt euch mehr Zeit, dann seht ihr noch mehr. Ich glaube, allein die drei baltischen Staaten sind eine Wochenreise wert!

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  2. Die Altstadt sit super schön und ihr habt genau das richtig gemacht: In einem Cafè abschalten und den Tag kurz genießen :)

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